Vom Tierheim auf die Couch...

... die richtigen Hunde für ein Rudel zu finden ist nicht immer einfach. Die beste Chance hat man, wenn die Hunde einander finden und der Mensch nicht nach seinen Wünschen geht.

 

 

DIE HAPPY-ENDS VERLETZTER TIERSEELEN: 
Wenn Hunde wieder vertrauen - Mutmachende Storys verhaltensauffälliger Hunde

Die Geschichten unserer Vierbeiner sind in diesem Buch von Monica Deters veröffentlicht.

Unser Rudel

Barney unser Mischling mit einer faszinierenden genetischen Vielfalt. Ein Gentest enthüllte seine beeindruckende Abstammung als Chow-Chow, Deutsch Kurzhaar, Labrador, Husky und Dackel – eine Kombination, die wahrlich einzigartig ist. Ein zweiter Gentest ergab: 100% reinrassig: Eastern European Village Dog :-)

Barney begann sein Leben in der Türkei, wo er als Welpe zusammen mit seinen Geschwistern und seiner Mutter gefunden wurde. Bis zu seinem zwölften Lebensmonat verbrachte er in einer Etagenwohnung, ohne die Möglichkeit regelmäßiger Gassigänge. Diese fehlende Vielfalt in seiner Prägungephase ist bis heute zu spüren. 

Barney zeigt eine generelle Geräuschangst, die sein Wohlbefinden beeinträchtigt. Diese Herausforderung erfordert eine einfühlsame Herangehensweise, um seine Ängste zu überwinden. Darüber hinaus wurde deutlich, dass die reizarme Aufzucht seine Sozialisierung beeinträchtigte, weshalb wir gezielt an seiner Integration in soziale Strukturen arbeiten.

Kovu unser einzigartiger Tschechoslowakischer-Wolfshund – Deutscher-Schäferhund Mix, der 2020 in unser Leben trat.

Kovu und seine Schwester wurden im zarten Alter von 8 Wochen von der Polizei beschlagnahmt und ins Tierheim. Als wir ihn online entdeckten, begann eine intensive Zeit des Kennenlernens. Wochenlang unternahmen wir Spaziergänge, bis wir schließlich beschlossen, Kovu bei uns aufzunehmen.

Ein Embark Test bestätigte, was man bereits sah – Kovu ist ein Mix aus Tschechoslowakischem Wolfshund und Deutschem Schäferhund. Seine Persönlichkeit ist so einzigartig, dass selbst unser Hundetrainer Daniel Fröhlich bemerkte: "Der einzige Hund, den ich kenne, der in ganzen Sätzen spricht."

Trotz seiner beeindruckenden Fähigkeit zur Kommunikation trägt Kovu sein Päckchen mit sich. Er zeigt eine ausgeprägte Scheu vor vielen "menschlichen" Dingen und reagiert panisch. Seit Tag 1 setzen wir uns intensiv mit seiner Re-Sozialisation auseinander, um ihm zu helfen, seine Ängste zu überwinden .

Als Welpe wurde Rita gemeinsam mit ihren Geschwistern gefunden und nach Deutschland gerettet. Damals wurde  eine ihrer Schwestern wurde positiv auf Wolfsanteile getestet, damit erklärte man ihre Scheuheit... Inzwischen hat Rita ihren eigenen Gentest – mit überraschenden Ergebnis: DSH, Galgo und Kaukasischer Owtscharka. Eine witzige und durchaus besondere Mischung, die allerdings so gar nichts von ihrem tatsächlichen Charakter erklärt.

Rita ist und bleibt eine sensible, ängstliche Hündin. Auch nach zwei Jahren ist sie uns gegenüber scheu. Sie lässt sie sich bis heute nicht freiwillig anfassen. Aber auf dem Bett zeigt sie, dass sie Streicheleinheiten liebt, da wird sie richtig kuschelig und manchmal auch ein wenig frech.

Sie hört gut und orientiert sich stark an ihrem Rudel. Rita kam ursprünglich als Pflegehund zu uns, doch schnell merkte Marcus, dass er sein Herz an sie verloren hatte. 

Rita ist ein traumatisierter Hund, der sich Schritt für Schritt entwickelt hat – aber sie wird sicherlich nie „normal“ im klassischen Sinne sein. Und das muss sie auch nicht.

Wir lieben sie genau so, wie sie ist.

Yuko - unsere American Wolfdog - TWH Mischling bereichert seit November 2023 unser Leben.

 Ursprünglich sollte der wunderschöne Wolfshundrüde ein neues Zuhause finden, doch das Schicksal hatte andere Pläne. Yuko war bereits im Herbst 2023 für sechs Wochen bei uns, während sein Frauchen einen schweren gesundheitlichen Schicksalsschlag verarbeiten musste. Im Sommer 2024 kam er dann ganz zu uns. Seine Besitzerin konnte ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr gerecht werden und bat uns schweren Herzens, ein neues Zuhause für ihn zu finden. Seitdem Zeit hat sich besonders Marcus in Yuko verliebt – trotz aller Herausforderungen, die ein eigenständiger, charakterstarker, aber vor allem gleichaltriger Wolfshundrüde in einem bestehenden Rudel mit sich bringt.
Mit unserem Umzug im November auf unseren neuen Hof haben wir uns entschieden, Yuko endgültig zu behalten. Wir nennen ihn liebevoll "verzogenes Einzelkind" oder auch "Diva" – aber er wird immer mehr Bestandteil des Rudels. Manchmal gibt es Rangeleien, vor allem Chef Barney maßregelt ihn oft, da Yuko gerne über die Stränge schlägt und seinen Willen durchsetzen will.

Nora unsere ungarische Kämpferin mit Herz, kam als Pflegehund zu uns – etwa sieben Jahre alt, gezeichnet von einem harten Leben. Vermutlich verbrachte sie viel Zeit an der Kette oder in einem Zwinger. Ihre Zähne sind fast vollständig abgenutzt und ihre Ohren - ziemlich zerfleddert.

Menschen liebt Nora von ganzem Herzen, doch das Leben im Haus war ihr völlig fremd. Anfangs wollte sie ständig ausbrechen, war nervös und kam kaum zur Ruhe. Nach ein paar Tagen änderte sich das, sie begann, die Geborgenheit zu genießen, liebte plötzlich Futter, Kuscheleinheiten und die Ruhe des Hauses.

 Drei Tage nach ihrer Ankunft wurde sie auch noch läufig – das brachte ordentlich Unruhe ins Rudel. Besonders Yuko musste zeitweise sogar Maulkorb tragen, weil niemand „sein Mädchen“ anschauen durfte.

Nora ist eigentlich stubenrein, doch sie markierte immer wieder Körbchen, Bett und Couch – als wolle sie sich ihren Platz sichern, dies bescherte uns ziemlich viel Wascherei.

Im Rudel sorgt Nora noch heute für Bewegung – sie ist eine dominante Hündin, die weiß, was sie will. Mit den Streunerherzen-Pflegis kommt sie wunderbar zurecht, sie beschützt sie sogar. Mit unseren eigenen Hunden gibt es hin und wieder Reibereien, was bei einer starken Hündin völlig normal ist, bis alle sie akzeptiert haben.

Trotz aller Herausforderungen war für uns schnell klar: 
Nörchen bleibt.

Luca ist unser kleines „Once-in-a-Lifetime“-Abenteuer: ein neugieriger, selbstbewusster Wolfhund-Junge, der uns von Anfang an ausgesucht hat. Mit seinen 4,5 Monaten bringt er frischen Wind, jede Menge Chaos – und ganz viel Herz in unser Rude

Luca April 2026 - heute

Once in a Lifetime – wir haben es getan… 🐾 

Ja… wir haben es wirklich getan: ein Welpe. Vom Züchter. Ein kleines bisschen schämen wir uns… aber bereuen? Auf keinen Fall! 

Es war schon lange unser Wunsch, einmal alles selbst zu erleben: Pipi & Kaka wegwischen, durchwachte Nächte, angeknabberte Möbel… Moment, das haben wir doch schon

Wir wollen einfach mal unsere eigenen Fehler machen – und nicht die von anderen reparieren. Alle unsere Hundis sind Second-Hand-Hunde – und sie sind toll! 

Aber: Wolfhunde-Welpen findet man (zum Glück) so gut wie nie im Tierschutz – und privat sind sie oft 8–10 Monate alt – genau dann, wenn vielen klar wird, was für einen „Drachen“ sie sich ins Haus geholt haben… Das ist zu alt um einen unkastrierten Rüden in unser Rudel zu bringen. Wir haben lange gesucht – und nichts gefunden. 

Dafür aber die richtige Züchterin: Jemand, der unser Leben mit den Wolfhunden und den wechselnden Pflegehunden sofort toll fand und gesagt hat: Ja, genau dahin soll einer meiner Jungs. Nachdem wir ihr erzählt haben, wie wir leben und was wir suchen, empfahl sie uns ihren Rüden „Danger Zone“. 

Als wir dort waren, hat einfach alles gepasst. Während die anderen Welpen bei Mama waren, hatte Danger schon entschieden… Er blieb einfach bei uns. Und ganz besonders: Er fand unseren Yuko direkt interessant. Auch wir Menschen untereinander waren sofort auf einer Wellenlänge. 

Tja… was sollen wir sagen: Wir haben es getan. Luca ist 4,5 Monate alt und wir freuen uns auf ein echtes Once-in-a-Lifetime-Abenteuer - Chaos, Liebe, Lernen, Wachsen.

Nörchen 2025 - heute

Nova – vom Straßenrand ins Herz

Im Juli 2025 kam Nova als Pflegehündin aus Ungarn zu uns – und eroberte unsere Herzen im Sturm. Ursprünglich wurde sie in einem sehr schlechten Zustand am Rande einer ungarischen Siedlung gefunden. Abgemagert, von Parasiten befallen, mit entzündeter Haut und völlig entkräftet, wurde sie im Tierheim liebevoll aufgepäppelt. Niemand suchte nach ihr – und im Nachhinein war das wohl ihr großes Glück. Bei einem Besuch des Vereins im November 2024 zeigte sich Nova bereits erholt: ihr Fell war nachgewachsen, sie strahlte eine beeindruckende Präsenz aus, und ihr freundliches Wesen berührte jeden, der sie traf.

Unser Nörchen ist eine charakterstarke Hündin – selbstbewusst, aber mit einem Herzen voller Liebe. Ihre stark abgenutzten Zähne verraten, dass sie wahrscheinlich viele Jahre angebunden oder im Zwinger verbracht hat, wo sie aus Frust an Ketten oder Gitterstäben kaute. Auch ihre anfänglich schwache Muskulatur deutete auf ein Leben ohne Bewegung hin.

Am 19. Juli 2025 durfte Nova schließlich zu uns auf Pflegestelle reisen. Schon nach kurzer Zeit zeigte sie, dass in ihr mehr steckt, als ihr trauriger Hintergrund vermuten ließ. Sie ist sehr menschenbezogen, liebt Nähe und sucht stetig den Kontakt zu ihrer Bezugsperson. Mit anderen Hunden ist sie grundsätzlich verträglich, hat jedoch eine klare, dominante Art: Sie lässt sich nichts gefallen und übernimmt gerne die Kontrolle – besonders beim Rein- oder Rausgehen oder wenn es ums „Management“ des Rudels geht.

Anfangs wurde sie von unseren Hunden nur geduldet, aber mit Geduld und Struktur hat sich die Situation zunehmend stabilisiert. Nova braucht klare Regeln und eine konsequente, liebevolle Führung – dann zeigt sie sich loyal und zutraulich.

Obwohl sie das Leben im Haus nicht kannte, hat sie sich erstaunlich gut eingefügt. Sie machte nichts kaputt, war von Beginn an stubenrein, markierte anfangs jedoch einige Plätze – vermutlich, um ihren neuen Lebensraum zu „strukturieren“. Inzwischen hat sich auch das gelegt. 

Draußen ist Nörchen neugierig und aufmerksam. Spaziergänge sind immer noch eine kleine Herausforderung, weil einfach alles interessant ist, aber sie zeigt keine Angst vor Fahrzeugen oder lauten Umgebungen. Mit Ruhe und Training wird auch das Leinelaufen bald souverän klappen

Mit den Wochen hat sie sich nicht nur äußerlich, sondern auch seelisch erholt. Sie liebt ihren Garten, ihr Körbchen, das Futter und die Sicherheit ihres neuen Alltags. Und obwohl sie unser Rudel ordentlich aufgemischt hat, war für uns bald klar: Nörchen bleibt!

 

Hier findet ihr noch Nova bei ihrem Vermittlungsverein:

https://fellfreunde.de/adoption/nova/

Yuko 2024 - heute

Seit November 2024 gehört Yuko offiziell zu unserer Familie. Ursprünglich sollte der wunderschöne Wolfshundrüde ein neues Zuhause finden, doch das Schicksal hatte andere Pläne. Yuko war bereits im Herbst 2023 für sechs Wochen bei uns, während sein Frauchen einen schweren gesundheitlichen Schicksalsschlag verarbeiten musste. In dieser Zeit hat er sich schnell eingelebt – auch wenn er stets eine gewisse Distanziertheit bewahrte.

Als Yuko im Sommer 2024 wieder zu uns kam, war die Situation eine andere. Seine Besitzerin konnte ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr gerecht werden und bat uns schweren Herzens, ein neues Zuhause für ihn zu finden. Doch während der Zeit bei uns hat sich besonders Marcus in Yuko verliebt. Trotz der Herausforderungen, die ein eigenständiger, charakterstarker, aber vor allem gleichaltriger Wolfshundrüde in einem bestehenden Rudel mit sich bringt, wuchs die Bindung immer weiter.

Mit unserem Umzug im November auf unseren neuen Hof haben wir uns entschieden, Yuko endgültig zu behalten. Wir nennen ihn liebevoll "verzogenes Einzelkind" oder auch "Diva", aber er wird immer mehr Bestandteil des Rudels. Manchmal gibt es Rangeleien, vor allem Chef Barney maßregelt ihn oft, da er gerne über die Stränge schlägt und seinen Willen durchsetzen will.

Yuko ist nun ein fester Bestandteil unserer Familie, auch wenn es nicht immer einfach ist. Manchmal stellt er unsere Geduld auf die Probe, aber genau das macht ihn zu dem einzigartigen Hund, den wir so ins Herz geschlossen haben. Willkommen Zuhause, Yuko!

Rita 2023 - heute

Am 22. Oktober 2023 war es endlich soweit - wir holten Rita, eine Hündin, die bei T.I.N.O. im Odenwald betreut wurde, zu uns nach Hause. Anna von Camchatca hatte und gebeten sie aufzunehmen, weil sie als Problem- und Angsthündin im Tierheim keine Chance auf Vermittlung hatte. Das Kennenlernen mit unserem bestehenden Rudel verlief überraschend problemlos. Rita zeigte sich anpassungsfähig und schien sich schnell in ihrem neuen Zuhause einzuleben.

Unsere ersten Spaziergänge mit Rita waren geprägt von ihrem Umgang mit dem Stress des Neuen und der Begegnung mit uns als bisher Menschen. Dennoch konnte sie sich gut in das Rudel integrieren, insbesondere mit unserem Hund Barney knüpfte sie rasch eine enge Bindung. Rita schien die Annehmlichkeiten ihres neuen Heims, wie Körbchen, Bett und Couch, zu schätzen.

Trotz ihrer großen Scheu machte Rita kleine Fortschritte und zeigte sich interessiert an den Aktivitäten im Haus. Besonders erfreulich war, dass sie während unserer Spaziergänge bereits ohne Maulkorb unterwegs sein konnte, obwohl wir aus Sicherheitsgründen noch bissfeste Ketten an der Leine verwendeten. 

Ihre Liebe zu Spaziergängen stellt sowohl eine Leidenschaft als auch eine Herausforderung dar. Rita hat ihre eigenen Vorstellungen davon, wie eine Leine funktionieren sollte, zeigt jedoch eine bemerkenswerte Entwicklung in Bezug auf Leinenverhedderung und Festsetzen. Ihr Motto "Stillstand ist Rückschritt" spiegelt sich in ihrer Vorliebe für Bewegung wider, und ihre jüngste Heldentat – das Annehmen eines Leckerchens aus Marcus' Hand – markierte einen bedeutenden Meilenstein in ihrer Entwicklung.

Trotz all ihrer kleinen Fortschritte ist Rita ist immer noch eine absolute Angsthündin, sie beißt nicht mehr um sich und verliert auch keinen Urin und Kot mehr, aber die sobald etwas nicht nach ihrer Gewohnheit geht reagiert sie entweder mit Panik oder verfällt in Schockstarre. Z.b. kann sie nur links an der Leine laufen, und streichen geht nur an einem Platz auf der Couch oder am Bett, fressen geht auch auf der Couch und auch nur wenn man sich neben sie setzt. 

Am 01. Januar 2024 begann dann das besondere Kapitel unserer Pflegestellengeschichte. Jede Pflegestelle kennt die drei Optionen, wenn ein neuer Hund ins Leben tritt. Die erste: Man hofft, dass die Fellnase schnell ein liebevolles Zuhause findet. Nicht, weil sie schwierig ist oder nicht gefällt, sondern weil die Wellenlänge nicht stimmt. Die zweite Option: Der Pflegling passt perfekt, macht viel Spaß, aber man freut sich, wenn er in ein tolles Zuhause vermittelt wird. Und dann gibt es die dritte Option, einige von euch werden vielleicht genau wissen, wovon wir sprechen.

Man nennt es "Pflegestellenversager", wenn man sich unsterblich in einen Hund verliebt, der eigentlich vermittelt werden sollte. Dieses Gefühl schleicht sich langsam ins Herz, ist keine Liebe auf den ersten Blick, sondern eine stetige Annäherung und ein Vertrauensaufbau. Man erkennt, dass kein anderes Zuhause gut genug wäre, dass dieser Hund perfekt ins Rudelgefüge passt und eine absolute Bereicherung ist. Rita bleibt bei uns. Mit ihren täglichen kleinen Schritten des Vertrauens hat sie sich in unsere Herzen geschlichen, und wir können sie einfach nicht mehr hergeben. Rita hat gezeigt, dass Liebe manchmal in vielen kleinen Schritten kommt. Sie bleibt für immer bei uns, und wir freuen uns darauf, noch viele weitere Hunde auf ihrem Weg zu begleiten. Natürlich werden wir weiterhin Ritas Weg mit euch teilen, denn sie hat noch viel zu lernen und aufzuholen.

zuvor: Pflegehündin Rita

Kovu 2019 - heute

"Schatz, im Tierheim Zollstock sitzt ein 10 Monate alter, ängstlicher Wolfshund. Ich wollte mich ja wieder im Tierschutz engagieren, vielleicht kann ich mit dem etwas arbeiten, ich fahre da mal hin." Im Tierheim war man weniger begeistert von mir, ich hatte keine Wolfshund-Erfahrung, und ständig kamen Menschen, die zwei Wochen später wieder weg waren. Aber das kannte ich schon und ließ mich nicht abschrecken. Ich meinte es ernst und überredete die Pflegerin, mir Kovu zu zeigen. Leider war er krank und in Quarantäne, aber er kam aus seiner Hütte – schon ein kleines Wunder. Tage später durfte ich zu ihm, saß erst mal rum, und Kovu blieb auf Entfernung. Irgendwann wurde es mir zu langweilig, ich beschäftigte mich mit dem Hund im Nebenzwinger, da machte es KLICK bei Kovu. Nach Spielen und Streicheln war das Eis gebrochen. Beim nächsten Besuch fragte ich nach einer Bürste, und Kovu ließ sich tatsächlich bürsten. Nach mehreren Wochen hatten auch die Tierheimleute Vertrauen zu uns und Hoffnung für Kovu. 

Gassi mit Kovu war eine Katastrophe, von Panikattacken bis Zugmaschine. Und der Sommer war heiß! Es war einfach nur anstrengend! Irgendwann durften wir einen Ausflug machen – plötzlich ein relaxter Hund. Wir adoptierten Kovu und sagten Urlauben in Peru oder ähnlichem adieu. Die Zusammenführung mit unseren Hunden war okeyisch, besonders bei Barney dauerte es. Kovu schlich sich in ihre Herzen, ließ Attacken abblitzen und hielt das Rudel zusammen. Bis heute ist ein Stadt-Spaziergang mit Kovu nicht möglich, aber davon abgesehen ist er einfach nur toll. Seine Kommunikation mit Hunden und uns ist differenzierter als bei „normalen“ Hunden. Er kann von "eiskalt Attacken ignorieren" bis selbst Attacken fahren, wenn andere Hunde gestresst sind, alles abrufen und ist dabei nie in einem Tunnel. Ein Wolfshund, der uns vor die Wahl stellte: Peru oder Pfoten? Wir wählten die Pfoten und haben es nie bereut.

Barney 2017 - heute

Nach Linus' Abschied fühlte sich Luna einsam – noch nie war sie auch nur eine Sekunde allein im Haus gewesen. Also hieß es: Schnell nach einem neuen Gefährten Ausschau halten. Das klitzekleine Problem? Luna hatte vor 99 von 100 Hunden Angst, nur EINEN fand sie spitze. Die Suche nach diesem EINEN begann.

Mit Luna im Schlepptau nahm ich mir erneut eine Woche Urlaub und düste ab ins Tierheim Rüsselsheim. Luna fand einen alten, bissigen Rottweiler toll, aber ich wollte nicht schon wieder einen „Problemhund“ – vor allem war ich auch voll in meiner eigenen Nachwuchsplanung. Barney überzeugte Luna, obwohl der Hundepfleger ein wenig sauer aucf mich war – er fand ihn wohl zu "leicht" für mich. Aber Luna war die Entscheiderin, und ich war zufrieden.

Das "böse" Erwachen kam nach und nach. Barney, bis zu seinem 12. Lebensmonat nur in einer Wohnung gehalten, hatte panische Angst vor lauten Geräuschen. Bei Gewitter verbarrikadierte er sich stundenlang in der Ecke. Und sobald etwas über ihm flog – sei es ein Heißluftballon oder ein Kitesurfer – wurde er panisch. Wenn dann 35 kg mit voller Kraft nach Hause ziehen, ist man ziemlich ratlos. Das größte Problem: andere Hunde. Am Anfang war er okay, aber Luna, seine Ziehmutter, schickte ihn immer voraus, bis er schließlich im Tunnel war und um sich biss... Schöne Scheiße.

Alles in allem kriegen wir nach und nach die Sachen in den Griff, aber es taucht immer mal wieder etwas Neues auf. Barney lernt viel durch die Wolfshunde und unsere Pflegestellen-Challenges, aber wahrscheinlich werden wir bis in sein hohes Alter an ihm arbeiten müssen, damit er ein einigermaßen angstfreies Leben führen kann. 

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